Martin von Cleat Street: „Es gibt aktuell keine echte Krypto-Handelsplattform"

David Martin von Cleat Street betont im Interview, dass es derzeit keine echte Krypto-Handelsplattform gibt, die traditionelle und digitale Assets effizient verbindet. Er erläutert, wie institutionelle Investoren auf regulierte Produkte umschwenken und welche Herausforderungen dabei entstehen.

Martin von Cleat Street: „Es gibt aktuell keine echte Krypto-Handelsplattform"

„Aktuell existiert keine echte Krypto-Handelsplattform“: David Martin von Cleat Street über die Herausforderungen für institutionelle Krypto-Sicherheiten.

Ein Venture-Capitalist, den David Martin seit 2015 kennt, kontaktierte ihn kürzlich mit einer ungewöhnlichen Anfrage. Der Anrufer, ein Software-Entwickler, der sich in das Ethereum-Ökosystem verliebt hat und nie im Finanzsektor tätig war, wollte wissen, ob er sein ETH in einen ETF umwandeln und diese Position dann mit Margin nutzen könne, um Krypto-Aktien zu erwerben.

„Ich war überrascht“, äußerte Martin in einem exklusiven Interview auf dem Liquidity Summit 2026 in Hongkong. Er fügte hinzu: „Es ist erstaunlich, dass jemand, der ein so großer Fan von Krypto-DeFi ist, nun Zugang zum ETF-Markt anstrebt. Das verdeutlicht sehr gut, was derzeit geschieht.“

Die Herausforderungen der Infrastruktur

Diese Situation beschreibt prägnant das Problem, an dem Martin in seinen ersten Wochen bei Clear Street arbeitet. Die notwendige Infrastruktur, die beide Welten miteinander verbinden soll, ist bislang nicht vollständig vorhanden. Besonders diejenigen, die diese Verbindung am dringendsten benötigen, bewegen sich schneller als die Systeme, die ihnen Unterstützung bieten sollen.

Die Umsatzsignale, die wirklich von Bedeutung sind, zeigen sich in den realen Zahlen. ETF-Zuflüsse sorgen zwar für Schlagzeilen, doch Martin, der mittlerweile Chief Revenue Officer für digitale Vermögenswerte bei Clear Street ist, ist der Ansicht, dass die tatsächlichen Umsatzzahlen präziser aufzeigen, wo das institutionelle Vertrauen tatsächlich verankert ist. Im vergangenen Jahr hat sich ein zunehmender Teil der Krypto-Aktivitäten in regulierte Angebote verlagert. ETFs, digitale Asset-Treasuries und börsennotierte Krypto-Unternehmen stellen einen wachsenden Anteil der institutionellen Ströme dar. Optionen auf BlackRocks IBIT haben fast 38 Milliarden USD an offenem Interesse erreicht und damit Deribit mit 32 Milliarden USD überholt, obwohl Deribit seit 2016 im Bereich Bitcoin-Derivate dominierte. IBIT startete den Optionshandel erst im November 2024, was den rasanten Aufstieg besonders bemerkenswert macht. 670 Mio. USD Zuflüsse für US-Krypto-ETFs am ersten Handelstag 2026

Ein Blick auf die Zahlen

Martin hat die Zahlen am Morgen vor dem Interview überprüft. Der Abstand zwischen IBIT und Deribit war noch größer geworden. Im Januar 2026 machte IBIT 52 Prozent des gesamten offenen Bitcoin-Optionsinteresses aus – ein Rekordwert. Der Anteil von Deribit fiel auf unter 39 Prozent, nachdem er vor fünf Jahren noch über 90 Prozent lag.

Darüber hinaus läuft mittlerweile etwa 30 Prozent des Bitcoin-Spot-Volumens über Produkte, die mit traditionellen Aktien oder ETFs verknüpft sind. Dieser Wandel verdeutlicht, dass Institutionen ihre Krypto-Risiken bevorzugt in bestehende Risiko- und Berichtssysteme integrieren.

„Es ist eine deutliche Verschiebung hin zu regulierten Produkten, auf die traditionelle Institutionen zugreifen können. Das zeigt sehr klar, was in den letzten Jahren im Krypto-Bereich aufgebaut wurde“, so Martin.

Die Herausforderung der Kapitaleffizienz

Obwohl mehr Menschen aktiv werden, bleibt das Kapital weiterhin aufgeteilt: zwischen Spot-Märkten, Aktien und Derivaten. Ein einheitliches System, das einen einfachen Wechsel ermöglicht, existiert noch nicht.

Martin beschreibt die Situation präzise: „Es gibt heute keinen Ort am Markt, an dem man seine Coinbase-Aktie als Sicherheit nutzen kann, um Krypto-Derivate oder Bitcoin zu kaufen.“

Für Portfoliomanager, die in beiden Asset-Klassen aktiv sind, stellt dies nicht nur ein theoretisches, sondern ein praktisches Problem dar, das sie täglich behindert.

Die Notwendigkeit einer integrierten Lösung

Die Veränderungen haben sich schneller vollzogen als die erforderliche Infrastruktur. Krypto-Fonds, die früher ausschließlich digitale Werte hielten, haben heute oft ein Drittel oder mehr ihres Portfolios in traditionellen Aktien. Diese Positionen sind in separaten Systemen bei unterschiedlichen Brokern untergebracht, ohne Möglichkeit zur gemeinsamen Absicherung.

Wer heute eine Aktienposition für den Handel mit Krypto-Derivaten nutzen möchte, muss diese zunächst verkaufen. Dies birgt Ausführungsrisiken und steuerliche Konsequenzen – beides könnte durch ein integriertes System vermieden werden.

Martin sieht zwei Ansätze zur Lösung dieses Problems. Unternehmen wie Clear Street entwickeln neue Verbindungen von der traditionellen Seite, um Kapital einfach zwischen den Asset-Klassen zu transferieren. Der zweite Ansatz umfasst Blockchain-Lösungen, also die Tokenisierung traditioneller Werte, um Sicherheiten und Ausgleich direkt in einem System zu ermöglichen – ohne die Reibungsverluste, die durch getrennte Infrastrukturen entstehen.

Krypto als weitere Asset-Klasse

„Letztendlich wird Krypto nur eine weitere Asset-Klasse sein. Dann sollte es einfach sein, es zwischen anderen Vermögenswerten zu vermitteln“, erklärt Martin.

Diese Annäherung zeigt sich bereits im Portfolio-Aufbau: Krypto-Manager setzen zunehmend auf traditionelle Handelsplattformen, während sie digitale Werte im Portfolio behalten. Die Kluft zwischen Depot und der dazugehörigen Infrastruktur gehört derzeit zu den größten Herausforderungen für institutionelle Krypto-Investoren.

Wettbewerb und Anlageentscheidungen

Der Anruf verdeutlicht ein Muster, das Martin seit seinem Eintritt bei Clear Street immer wieder beobachtet. Die größeren Krypto-Vermögensverwalter, mit denen er spricht, verfolgen ähnliche Strategien. Vor einem Jahr hielten fast keine von ihnen traditionelle Aktien. Heute haben institutionell aufgestellte Manager mindestens 25 bis 30 Prozent in traditionellen Werten.

Martin ist sich bewusst, dass dabei nicht nur Chancen, sondern auch der Wettbewerb eine Rolle spielt. Als das Thema zur Sprache kam, stimmte er sofort zu. Je mehr Manager auf traditionelle Angebote setzen, desto mehr wirkt das Nicht-Mitmachen wie ein Nachteil, anstatt eine bewusste Entscheidung zu sein. Abseits zu bleiben wird riskant, wenn die Mehrheit bereits gewechselt hat.

Regulatorische Hürden im DeFi-Bereich

Eine weitere Hürde ist die Kapitaleffizienz. Noch entscheidender, so Martin, ist die Unsicherheit bezüglich der DeFi-Regeln. Dies könnte kurzfristig sogar der größte Engpass sein.

Im DeFi-Bereich gibt es echte Chancen: für Zinsen, für den Handel und für Innovation. Diese Entwicklungen haben Krypto stets vorangebracht. Für viele Institutionen bleibt dieser Markt jedoch unzugänglich. Die Vorschriften, die die Nutzung von ETFs erleichtern, schließen oft die Teilnahme an nicht regulierten DeFi-Märkten aus, unabhängig von der Attraktivität der Erträge.

Martin verweist auf den Clarity Act, ein laufendes Gesetzesprojekt in den USA, das klarere Regeln für digitale Werte und deren Regulierung schaffen soll. Eine gute Lösung würde nicht nur Rechtssicherheit bieten, sondern auch einen Marktbereich öffnen, in den große Institutionen bislang nicht investieren können.

Der Zugang zu Chancen

„Die Menschen aus dem traditionellen Finanzbereich sind bei bestimmten Marktsegmenten ausgeschlossen. Dadurch verpassen sie Chancen. Als Portfolio-Manager möchte man jedoch jederzeit und überall Zugang haben“, ergänzt Martin.

Bis es zu dieser Klarheit kommt, bleibt die Aufteilung bestehen. Krypto-Nutzer sind weiterhin im DeFi-Bereich aktiv, während traditionelle Unternehmen an der Seitenlinie stehen. Beide Seiten verpassen dabei potenzielle Gewinne.

Die unbemerkte Entwicklung der On-Chain-Asset-Manager

Als Martin gefragt wird, welche Infrastruktur-Entwicklung zu wenig Beachtung findet, spricht er nicht nur über die Kapitaleffizienz. Er hebt vor allem ein anderes Thema hervor: das Aufkommen von vollständig on-chain arbeitenden Vermögensverwaltern.

Das Thema der realen Vermögenswerte auf der Chain (RWA) wurde bereits häufig behandelt. Tokenisierte Geldmarkt-Fonds von BlackRock und Fidelity haben diese Idee populär gemacht. Auch der tokenisierte Kreditfonds von Apollo erweitert diese Entwicklung. Martin ist jedoch überzeugt, dass hier noch mehr Potenzial besteht: Vermögensverwalter, die direkt in der regulierten DeFi arbeiten, mit KYC-Zugang, der die Vorschriften für Unternehmen einhält und dabei dennoch die Vorteile der dezentralen Infrastruktur nutzt.

Es handelt sich hierbei nicht um klassische Fonds, die lediglich ihre Bestände auf die Chain übertragen haben. Es ist ein völlig neues Modell: Die Verwaltungsschritte im Portfoliomanagement werden vereinfacht, und die Grenze zwischen on-chain und off-chain Infrastruktur verschwimmt nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch.

Ein Ausblick auf das kommende Jahr

Martin wird gebeten, die Entwicklung des digitalen Marktes für Unternehmen in einem Satz zusammenzufassen. Er wählt eine klare Antwort: „Kapitaleffizienz regiert die Welt.“

Die Unternehmen und Partner, die es schaffen, Kapital ohne Hindernisse zwischen verschiedenen Anlageklassen zu bewegen und die Kluft zwischen den Bedürfnissen der Portfoliomanager und der aktuellen Infrastruktur zu schließen, werden laut Martin die nächste Phase des Marktes prägen. Kreditmärkte senden Warnsignale – Droht jetzt Gefahr für Krypto?

Ob diese Lücke von klassischen Finanzvermittlern, blockchain-nativen Plattformen oder einer Kombination aus beiden geschlossen wird, wird entscheidend dafür sein, wie schnell Unternehmenskapital im Tempo der Krypto-Assets arbeiten kann – einer Anlageklasse, die sich bisher oft schneller entwickelt hat als die unterstützenden Systeme.

Der DeFi-Entwickler, der einen ETF anstrebt, ist keine Ausnahme. Er verdeutlicht, wohin der Trend geht. Doch ein Markt für ihn existiert noch nicht vollständig. Bitwise-CIO enthüllt: Das steckt wirklich hinter dem Bitcoin-Absturz

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Bildquelle: ai-generated-gemini

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