Milliarden in Krypto liquidiert: So reagieren Institutionen

Nach dem dramatischen Kursrückgang an den Krypto-Märkten passen institutionelle Investoren ihre Strategien an. Anstatt alles zu verkaufen, konzentrieren sie sich auf Qualität und reduzieren Risiken, während sie die aktuelle Marktvolatilität genau beobachten.

Milliarden in Krypto liquidiert: So reagieren Institutionen

Die Krypto-Märkte haben im Oktober einen Rekordwert von rund 4 Billionen USD erreicht, doch nun erleben sie einen der gravierendsten Kurseinbrüche der letzten Jahre.

Bitcoin, das während des Anstiegs fast 126.000 USD erreichte, befindet sich nun wieder im niedrigen 60.000er-Bereich. Milliarden USD an gehebelten Positionen wurden bereits liquidiert. Das offene Interesse ist stark gesunken, was sich auch in der Liquidität auf den Handelsplattformen widerspiegelt. Zudem sind die Zuflüsse in ETFs negativ, was auf einen breiteren Rückzug institutioneller Anleger hindeutet.

Institutionelle Reaktionen auf Marktvolatilität

Sheldon Hunt, Gründer und CEO von Sundial, einer Bitcoin Layer 2 für institutionelle Investitionen, sieht in diesem Rückgang eine andere Geschichte, als sie oft dargestellt wird. Im Gespräch auf dem Liquidity Summit 2026 in Hongkong erklärte er:

„Wenn du solche Volatilität siehst, werden zuerst Risiko, Ausmaß und Komplexität zurückgefahren. Institutionen ziehen sich nicht komplett zurück. Sie sortieren sich neu. Sie gehen zurück zu den Grundlagen.“

Für Hunt bedeutet dieses Zurückkehren zu den Grundlagen eine Flucht in die Qualität. In Zeiten steigender Volatilität reduzieren Institutionen ihre Investitionen in komplexe und risikobehaftete Bereiche. Sie probieren keine neuen Strategien aus, sondern konzentrieren sich auf das Wesentliche.

„Man kann die komplizierten Varianten wie DeFi zurückfahren. Du willst zurück zu etwas wie den einfachen Grundlagen“, so Hunt weiter.

Wallet-Aktivität als Frühindikator

Zusätzlich zur Anpassung der Investitionsstrategien beobachtet Hunt auch die Aktivitäten auf der Blockchain, um frühzeitig Probleme zu erkennen. Seiner Meinung nach sind Wallets selten unehrlich und bieten einen ausgezeichneten Hinweis auf die Marktentwicklung.

In Zeiten starker Bewegungen bemerkt er, dass Werte von Börsen und DeFi-Plattformen abgezogen und in wenige Wallets umgeschichtet werden. Diese Entwicklung deutet für ihn auf Vorsicht hin, nicht unbedingt auf Panik.

Hunt sieht diesen Wandel nicht als kurzfristige Pause. Er ist überzeugt, dass der Markt derzeit unter echtem Druck steht, bedingt durch fehlende Liquidität.

„Wir erleben das gerade“, sagte er. „Es gibt zurzeit wirklich Einschränkungen bei der Liquidität. Viele sind ziemlich nervös.“

Die aktuelle Volatilität auf vielen Märkten und die schwierigen finanziellen Bedingungen tragen zur Vorsicht der institutionellen Anleger bei und beeinflussen die Geschwindigkeit ihrer Entscheidungen.

Renditebewertung durch Fachleute

Diese Perspektive hat auch Auswirkungen darauf, wie Institutionen die Erzielung von Erträgen mit Bitcoin angehen. Hunt stellt fest, dass viele fälschlicherweise annehmen, dass Institutionen vor allem auf hohe Renditen aus sind. In der Realität agieren professionelle Kapitalgeber jedoch anders.

„In Wahrheit versuchen Institute, das Risiko möglichst gering zu halten. Stabile Erträge von nur ein oder zwei Prozent über einen langen Zeitraum passen viel besser zu ihren Vorgaben“, erklärt Hunt.

Deshalb spielt bei der Auswahl von Produkten nicht nur die Höhe der Erträge eine Rolle. Wichtiger sind Aspekte wie Verwahrung, Abwicklung und mögliche Verlustrisiken.

Obwohl oft über Bitcoin-Finanzprodukte gesprochen wird, glaubt Hunt, dass es in diesem Bereich noch kaum echte institutionelle Akteure gibt.

„Viele denken, dass überall Bitcoin eingesetzt und ständig bewegt wird. Tatsächlich wird aber kaum Bitcoin in DeFi oder in Protokollen und Layer-2-Lösungen eingesetzt“, so Hunt. Beobachte den Rückgang.

Langfristige Verwahrung und Infrastruktur

Ein erheblicher Teil der BTC bleibt weiterhin in langfristiger Verwahrung. Hunt sieht darin ein Zeichen dafür, dass die Infrastruktur-Schicht noch im Aufbau ist und noch nicht vollständig genutzt wird.

„Es ist noch früh“, sagte er. „Die besten Zeiten für Bitcoin kommen noch. Bei DeFi ist es genauso. Da ist noch viel möglich.“

Die langsame Beteiligung von Institutionen erklärt sich für ihn durch die Art und Weise, wie Risiken bewertet werden. Bevor signifikante Kapitalbeträge in komplexere Ertragslösungen investiert werden, müssen Fragen zur Verwahrung, Abwicklung und Risikoverteilung geklärt werden.

Kontrolle und der nächste Zyklus

Hunt ist überzeugt, dass im nächsten Zyklus die technische Basis wichtiger sein wird als der äußere Anschein. „Ich bin völlig überzeugt, dass im nächsten Zyklus vor allem Optionen ohne Verwahrer sehr wichtig werden“, sagte er. Besonders hebt er Modelle für Staking und Abwicklung ohne zentrale Verwahrung und mit reduziertem Verwahrungsrisiko hervor.

Für ihn ist es entscheidend, dass Institute genau wissen, wer in jedem Schritt die Kontrolle über ihre Werte hat. In der Praxis bedeutet dies, dass sie eigene Kontrolle über Abwicklung und Verwahrung wünschen. Die Krypto-Welt spricht schon lange davon, seine eigene Bank zu sein. Für Institutionen ist dies jedoch weniger eine Idee, sondern vielmehr eine organisatorische Notwendigkeit. Der Erfolg der nächsten Stufe der Krypto-Übernahme hängt davon ab, ob die Technologie die traditionellen Risikovorgaben erfüllen kann.

Hinweis: BeInCrypto ist offizieller Medienpartner der Liquidity Summit 2026, auf der dieses Gespräch stattfand. Weitere Interviews mit Branchenführern von diesem Event werden bald veröffentlicht.

Für weitere Informationen über die aktuellen Herausforderungen im Krypto-Markt, siehe Bitwise-CIO enthüllt: Das steckt wirklich hinter dem Bitcoin-Absturz und Krypto-Bärenmarkt: 6 Strategien gegen Verluste.

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