Am Donnerstag fiel der Bitcoin-Kurs um 1,8% und erreichte etwa 69.400 USD, während der Ölpreis wieder über 100 USD pro Fass anstieg. Diese Entwicklungen verdeutlichen, dass die führende Kryptowährung im Kontext des Konflikts im Iran nicht als sicherer Hafen fungieren kann.
Die kurzfristigen Herausforderungen sind offensichtlich, jedoch ist die langfristige Perspektive komplexer. Die Geldpolitik der Federal Reserve, die durch den Krieg bedingte Geldschöpfung sowie die zunehmende Abhängigkeit von sanktionierten Staaten von Kryptowährungen sind Aspekte, die besondere Beachtung verdienen.
Ölpreise steigen, Notfallreserven nicht ausreichend
Der Preis für Brent-Öl stieg am Donnerstag um mehr als 9% und erreichte 101,59 USD. Hintergrund sind Angriffe auf zwei Tankschiffe in irakischen Gewässern, die dazu führten, dass Bagdad die Ölverladungen stoppte. Bahrain berichtete von einem iranischen Angriff auf seine Kraftstofftanks, während Oman Schiffe aus dem wichtigen Exportterminal Mina Al Fahal evakuierte.
Diese Angriffe erfolgten nur wenige Stunden nach der Ankündigung der Internationalen Energieagentur (IEA), die größte Notfall-Reservefreigabe von 400 Millionen Fässern in ihrer Geschichte vorzunehmen. Die USA tragen 172 Millionen Fässer zu dieser Freigabe bei, jedoch reagierten die Märkte kaum auf diese Maßnahme.
„Fässer aus Notreserven auf den Markt zu bringen, ist eher ein symbolischer Akt als eine Lösung”, sagte Stephen Innes von SPI Asset Management.
Auf der Plattform Polymarket wird derzeit eine Wahrscheinlichkeit von 82% eingepreist, dass der Ölpreis bis Ende März bei 100 USD liegt, was einen Anstieg um 40 Prozentpunkte darstellt. Der Kontrakt für 95 USD liegt bei 94%. Sogar die Wahrscheinlichkeit für einen Ölpreis von 110 USD oder mehr beträgt über 60%, was darauf hindeutet, dass mehr als die Hälfte des Marktes mit dauerhaft dreistelligen Ölpreisen rechnet.
Bitcoin folgt den Risiko-Assets, nicht Gold
Seit dem Beginn des Konflikts im Iran am 28. Februar hat sich Bitcoin nicht von den Aktienmärkten abgekoppelt. Der Kurs bewegte sich seitwärts oder fiel, und das Niveau von 74.000 USD aus der ersten Woche des Krieges konnte nicht gehalten werden.
Der Zusammenhang ist klar: Steigende Ölpreise erhöhen die Inflationserwartungen und verschieben geplante Zinssenkungen nach hinten. Dies begrenzt die Liquidität, die Bitcoin für eine potenzielle Rallye benötigt. Händler gehen nun davon aus, dass die Federal Reserve in diesem Jahr nur einmal die Zinsen senken wird.
Für den Kryptomarkt ist der Anstieg der Ölpreise von größerer Bedeutung als die geopolitischen Ereignisse selbst. Sollte der Ölpreis dauerhaft über 80 USD bleiben, könnte sich das Narrativ der Re-Inflation festigen, was Zinssenkungen in weite Ferne rücken lässt. Zudem würde eine Schließung der Straße von Hormuz die Transportkosten zusätzlich erhöhen und die Angebotsverknappung verschärfen.
Institutionelle Investoren zeigen Interesse
Trotz des schwachen Bitcoin-Kurses scheinen institutionelle Investoren weiterhin zu akkumulieren. Daten von SoSoValue zeigen, dass die US-Spot-Bitcoin-ETFs an drei aufeinanderfolgenden Tagen Nettozuflüsse verzeichneten: 167 Millionen USD am 9. März, 250,92 Millionen USD am 10. März und 115,17 Millionen USD am 11. März. Insgesamt flossen in diesem Zeitraum 533 Millionen USD in die ETFs. Die kumulierten Nettozuflüsse belaufen sich derzeit auf 55,9 Milliarden USD.
Diese Serie kompensiert die Abflüsse von 348 Millionen USD am 6. März und 228 Millionen USD am 5. März, was darauf hindeutet, dass institutionelle Investoren den Rückgang des Kurses als Kaufgelegenheit betrachten.
Der Bloomberg-ETF-Analyst Eric Balchunas bemerkte auf X, dass die ETFs insgesamt 1,28 Millionen BTC halten. Trotz eines Rückgangs von 50% sind sie die größten Halter weltweit. Die Zuflüsse seit Jahresbeginn stehen kurz vor einem positiven Umschwung, die kumulierten Nettozuflüsse über die gesamte Laufzeit betragen etwa 56 Milliarden USD.
Trotz dieser positiven Entwicklungen bleibt das Gesamtbild ernüchternd. Zwischen Ende Januar und Ende Februar zogen Bitcoin-ETFs laut SoSoValue rund 4,5 Milliarden USD ab. Die jüngsten Zuflüsse sind zwar ermutigend, haben diesen Trend jedoch noch nicht umgekehrt.
Worauf es jetzt ankommt
- Kurzfristig: Die am Freitag erwarteten Kern-PCE-Daten sollen bei 0,4% im Monatsvergleich liegen und könnten die restriktive Haltung der Federal Reserve festigen. Ölpreise über 80 USD verzögern Zinssenkungen, was Bitcoin die Liquidität entzieht.
- Langfristig: Jeder bedeutende US-Krieg seit 1990 führte letztlich zu einer Lockerung der Geldpolitik der Fed. Kriegsausgaben auf Kreditbasis erhöhen das Dollar-Angebot. Sollte sich die Geschichte wiederholen, könnte der gegenwärtige Schmerz zu einem geldpolitischen Rückenwind für Risiko-Assets führen.
- Sanktionen und Krypto: Der Krieg verstärkt die Abhängigkeit sanktionierter Staaten von Kryptowährungen. Laut Elliptic hielt die iranische Zentralbank vor den Angriffen über 507 Millionen USD in USDT. Der russische A7A5-Stablecoin bewegte in weniger als einem Jahr 93,3 Milliarden USD. Der FATF-Bericht vom 3. März stellte fest, dass 84% illegaler Kryptotransaktionen über Stablecoins abgewickelt werden. Diese Infrastruktur wird den Krieg überdauern.
Bitcoin bleibt ein Spiel mit Liquidität und bietet keinen Schutz in Krisenzeiten. Es bleibt abzuwarten, ob kriegsbedingte Geldschöpfung dies langfristig ändern wird.
Bildquelle: ai-generated-gemini











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