Der Brent-Ölpreis könnte sich in naher Zukunft um 32 % erhöhen, da sich die Marktdynamik unabhängig von den Entwicklungen im Iran verändert hat. Eine inverse Kopf-Schulter-Formation, die seit Ende März 2026 zu beobachten ist, könnte einen signifikanten Kursanstieg signalisieren.
Die aktuelle Situation im Iran hat sich entspannt, nachdem am 8. April ein fragiler Waffenstillstand erzielt wurde. US-Präsident Trump hat trotz der Ablehnung eines Vorschlags aus Teheran keine weiteren militärischen Maßnahmen ergriffen. Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus nimmt wieder zu. Dennoch gibt es drei entscheidende Indikatoren, die auf eine mögliche Rallye des Brent-Ölpreises hindeuten, unabhängig von den geopolitischen Spannungen im Iran.
Brent: Bullisches Muster deutet auf Kursanstieg hin
Der Brent-Ölpreis hat seit Ende März eine inverse Kopf-Schulter-Formation gebildet, ein klassisches Zeichen für eine bullische Trendwende. Diese Formation besteht aus drei Tiefpunkten, wobei das mittlere Tief (der Kopf) unter den beiden äußeren Tiefs (den Schultern) liegt.
Ein bestätigter Schlusskurs über der Nackenlinie dieser Formation würde traditionell eine Kursbewegung in Höhe der Formation selbst anzeigen. Aktuell würde dies für den Brent-Ölpreis eine Rallye von 32 % ab dem Ausbruchspunkt bedeuten.
Allerdings gibt der Chart allein keinen klaren Hinweis auf einen bevorstehenden Ausbruch. Ein weiteres Signal aus dem Futures-Markt könnte zusätzliche Hinweise liefern.
Öl-Backwardation signalisiert Knappheit
Ein wichtiges Signal aus der Futures-Kurve ist der Abstand zwischen den Brent-Kontrakten für den vordersten Monat und dem Folgemonat. Dieser Unterschied wird als Kalender-Backwardation bezeichnet. Wenn der nächste Fälligkeitstermin über dem Folgemonat notiert, deutet dies auf eine aktuelle Knappheit von physischem Öl hin.
Vor dem Ausbruch des Iran-Kriegs lag der Spread bei durchschnittlich 0,24 USD. Nach der Sperrung der Straße von Hormus stieg dieser Wert auf über 10 USD. Aktuell liegt der Spread bei 3,85 USD, was etwa dem Achtfachen des Wertes vor dem Krieg entspricht.
Diese Entwicklung wird oft übersehen. Während des Kursrückgangs am 14. April, als die Hoffnung auf einen Waffenstillstand zwischen Iran und den USA aufkam, hätte der Spread eigentlich auf etwa 0,50 USD fallen müssen, was jedoch nicht geschah. Der Spread blieb auf hohem Niveau, was auf eine anhaltende Knappheit hinweist, die nicht durch den Iran-Krieg bedingt ist.
Öl-Optionen zeigen bullische Tendenzen – Chinas Nachfrage steigt
Investoren in den USA, die den United States Brent Oil Fund (BNO) ETF handeln, positionieren sich zunehmend für steigende Ölpreise. Das Put-Call-Verhältnis, das die Anzahl der bärischen Put-Optionen im Verhältnis zu bullischen Call-Optionen misst, liegt bei 0,16, was auf eine klare bullische Positionierung hinweist.
Zusätzlich zeigt die implizite Volatilität von BNO, die im 90. Perzentil der letzten zwölf Monate liegt, dass die Märkte die größten Kursschwankungen seit einem Jahr einpreisen. Der Hauptgrund für diese Positionierung ist nicht der Iran-Krieg, sondern die steigende Nachfrage aus China.
China importierte Anfang 2026 einen Rekordwert von 11,99 Millionen Barrel pro Tag, was einem Anstieg von fast 16 % im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Das Land hat seine strategischen und kommerziellen Reserven seit März 2025 um etwa eine Million Barrel pro Tag erhöht und plant den Ausbau neuer Lagerkapazitäten von 169 Millionen Barrel bis 2026.
Diese Nachfrage ist unabhängig von den Entwicklungen im Iran. China hat bereits vor dem Krieg mit dem Aufbau seiner Reserven begonnen und zeigt auch nach einer Feuerpause keine Anzeichen, damit aufzuhören. Diese strukturelle Nachfrage entzieht dem globalen Markt Angebot in Rekordgeschwindigkeit.
Brent-Rohölpreis über wichtigen gleitenden Durchschnitten
Der aktuelle Brent-Rohölpreis liegt bei 104,93 USD und bleibt über allen vier wichtigen gleitenden Durchschnitten auf Tagesbasis. Der 20-Tage-Exponentielle-Gleitende Durchschnitt (EMA) liegt bei 103,46 USD, der 50-Tage-EMA bei 97,65 USD, der 100-Tage-EMA bei 88,63 USD und der 200-Tage-EMA bei 80,36 USD.
Die Struktur ist auf allen Zeitrahmen bullisch. Unter dem aktuellen Kurs gibt es mehrere Unterstützungsniveaus. Die erste Unterstützung liegt bei 102,72 USD, was mit dem 20-Tage-EMA übereinstimmt. Ein Tagesschluss unter diesem Niveau würde das kurzfristige bullische Setup schwächen.
Die entscheidende Unterstützung für den Trend liegt bei 86,02 USD, die das „Kopf“-Niveau im Muster markiert. Ein Bruch unter 86,02 USD würde die übergeordnete bullische Struktur gefährden.
Nach oben hin könnte ein Rückerobern von 113,95 USD den Weg zu 118,90 USD öffnen. Ein bestätigter Ausbruch über die Nackenlinie würde ein Projektionsziel von 154,26 USD liefern, was dem 32%-Kursziel aus der inversen Kopf-Schulter-Formation entspricht. Ein solcher Kursanstieg könnte auch erhebliche Auswirkungen auf wichtige Ölaktien haben.
Der Brent-Rohölpreis bewegt sich derzeit zwischen der Unterstützung bei 102,72 USD und dem Ausbruchswiderstand bei 113,95 USD. Ein Tagesschluss über 113,95 USD würde die bullische Trendwende in Richtung 154,26 USD bestätigen, während ein Schlusskurs unter 95,78 USD das gesamte Setup schwächen würde.
Quellen: de.beincrypto
Bildquelle: KI generiert











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