Der GENIUS Act hat die Nutzung von zinsbringenden Zahlungsstablecoins eingeschränkt, jedoch die Suche nach Renditen nicht beendet. Stattdessen verlagert sich die Ertragsgenerierung nun auf neue Strukturen, bei denen die Rendite durch innovative Ansätze im DeFi-Bereich erzielt wird, anstatt direkt über den Stablecoin selbst.
BeInCrypto hat zwei Branchenexperten befragt, wie sich der Markt an diese Veränderungen anpasst.
Stefan Muehlbauer, Leiter für Regierungsangelegenheiten in den USA bei CertiK, äußert, dass die Thematik weiterhin politisch umstritten ist. Er erklärt:
„Die Frage der Rendite stößt weiterhin auf starken Widerstand von Banken, unabhängig vom GENIUS Act, und sorgt zudem für Debatten bei der jüngsten Blockade des CLARITY-Act-Entwurfs im Senat.”
Er führt weiter aus, dass die Grenze nun zwischen Produkten verläuft, die Zinsen ähneln, und solchen, die Belohnungen auf andere Weise bieten.
„Banken greifen die Rendite an, die als Zins verdient wird, während DeFi-Anbieter bei Produkten innovieren, bei denen Belohnungen eher als Servicegebühr durch Mechanismen wie Staking ausgezahlt werden.”
Anton Efimenko, Mitgründer von 8Blocks, sieht eine ähnliche Trennung. Er merkt an:
„Laut US-Recht dürfen Stablecoin-Emittenten keine Stablecoins mit automatischem Zins anbieten. Das sogenannte Rebasing ist praktisch verboten. Gleichzeitig gibt es aber nichts, das verhindert, dass diese Stablecoins in DeFi-Produkten genutzt werden, die durch Staking Rendite bringen.”
Er ergänzt, dass sich die Möglichkeiten für Stablecoin-Emittenten weiter ausdehnen könnten. „Wenn man die Struktur durchdenkt, kann ein Stablecoin-Emittent auch seine eigene DeFi-Plattform starten und über diese Ebene eine Einlagenrendite verteilen.”
Diese Entwicklungen führen dazu, dass der Stablecoin-Markt in den USA sich in einer neuen und ungewohnten Situation befindet. Die Ertragsgenerierung bleibt ein zentrales Produkt im Krypto-Bereich, muss jedoch im Jahr 2026 sorgfältiger gestaltet werden.
Die Vergabe bundesweiter Lizenzen zeigt, wo sich das Kräfteverhältnis am deutlichsten verschiebt. Krypto-native Unternehmen dringen bereits in das US-Finanzsystem vor. Der Fokus liegt nun darauf, wie direkt sie mit den Institutionen konkurrieren können, die seit Jahrzehnten den Zugang zu Zahlungsverkehr und Abwicklung kontrollieren.
Muehlbauer hebt hervor, dass hier die größte Neuausrichtung stattfindet:
„Die Vergabe von bundesweiten Trust-Bank-Lizenzen an krypto-native Unternehmen wie Circle und Paxos hat den früheren ,geschützten Bereich‘ großer Traditionsbanken wie JPMorgan Chase gegenüber technischer Konkurrenz von außen praktisch aufgehoben.”
Er betont, dass diese Lizenzen die Bedingungen verändern, unter denen institutionelle Akteure im System agieren dürfen. Mit einer bundesweiten Lizenz erhalten Emittenten von digitalen Vermögenswerten „die formale bundesstaatliche Anerkennung, um direkt um zentrale Zahlungs- und Abwicklungsdienste konkurrieren zu können”. Dadurch haben sie die Möglichkeit, „operative Autonomie” zu erreichen, anstatt weiterhin von Bankpartnern abhängig zu sein.
Fernando Lillo Aranda, Marketing Director bei Zoomex, sieht den entscheidenden Wandel darin, dass krypto-native Unternehmen nicht mehr vollständig auf etablierte Banken angewiesen sind, um Legitimität zu erlangen.
„Sobald ein Nicht-Banken-Emittent unter einem bundesweiten oder OCC-regulierten Rahmen operieren kann, ist es nicht mehr nur ein Technologieunternehmen, das sich Zugang zum Bankensystem mietet.”
So erhalten Unternehmen wie Circle oder Paxos laut ihm eine klarere Position in den Bereichen Zahlungen, Verwahrung und Reserveverwaltung. Sie werden zu direkt regulierten Finanzinstitutionen, anstatt wie zuvor Außenseiter zu sein, die nur von außen zuschauen konnten.
Gleichzeitig sieht Lillo Aranda dies nicht als abrupte Umkehr der Bankenmacht:
„Das macht JPMorgan nicht plötzlich schwach, denn etablierte Banken dominieren weiterhin die Verteilung, den Umfang ihrer Bilanzen und das Vertrauen der Kunden.”
Er argumentiert jedoch, dass der Wettbewerbsunterschied kleiner geworden ist. Früher hatten Banken vor allem einen Vorteil durch Regulierung, während Krypto-Unternehmen beim Produktdesign schneller waren. Einige krypto-native Emittenten können heute beides kombinieren. Dies führt zu einer Verschiebung des Wettbewerbs von der Frage des Zugangs hin zu der Frage, wer Vertrauen, Reichweite und Integration schneller ausbauen kann.
Efimenko ist ebenfalls der Meinung, dass sich der Markt öffnet, sieht jedoch nicht, dass die etablierte Finanzwelt ihren Vorsprung verloren hat. „Der US-Stablecoin-Markt wird sehr wettbewerbsintensiv, aber Banken und Vermögensverwalter behalten weiterhin die Vorteile”, sagt er. Für ihn ist die Verteilung der entscheidende Faktor.
„Kryptounternehmen müssen viel für Marketing ausgeben, um Investoren zu gewinnen – während Banken diese Investoren bereits haben.”
Bundesweite Lizenzen verschaffen krypto-nativen Emittenten mehr Spielraum für eigene Geschäftsmodelle, doch Banken kontrollieren weiterhin die Beziehungen zu den Kunden, die Finanzprodukte zum Massenprodukt machen.
Bundesregeln gewinnen an Bedeutung, doch die Bundesstaaten bleiben aktiv. Der GENIUS Act hat einen bundesweiten Rahmen für Stablecoins geschaffen, aber die staatlichen Systeme, die frühere Phasen der US-Krypto-Regulierung geprägt haben, bestehen weiterhin. Ihre Handlungsmöglichkeiten sind jedoch inzwischen begrenzter.
Muehlbauer erklärt, dass das Zeitalter der Bundesstaaten als unabhängige „Innovationslabore” weitgehend vorbei sei. Er sieht nun eine Phase des „kooperativen Föderalismus”, in der Washington die Hauptregeln für die Kontrolle von Stablecoins festlegt.
„Obwohl das Wyoming-Modell und die BitLicense von New York fortbestehen, sind sie nicht mehr eigenständig”, sagt Muehlbauer. Er ist der Ansicht, dass sie inzwischen Teil eines bundesweiten Rahmens sind, der die Mindeststandards für Kapital und Rücklagen vorgibt.
Er weist zudem auf eine klare Grenze hin, wie weit ein staatlich geführter Weg gehen kann:
„Selbst erfolgreiche staatlich lizenzierte Stablecoin-Emittenten stoßen an eine feste Obergrenze. Sobald das Volumen 10 Milliarden USD erreicht, müssen sie unter die primäre Aufsicht der Bundesbehörde OCC wechseln.”
Damit bleibt den Bundesstaaten weiterhin eine Rolle, jedoch nicht mehr die führende Rolle, die sie früher in der Krypto-Gesetzgebung hatten. Sie haben noch Einfluss auf Themen wie Lizenzvergabe, Beaufsichtigung und regionale Experimente, jedoch liegt der Schwerpunkt inzwischen in Washington.
Der CLARITY Act muss die Token-Frage noch klären. Stablecoins haben nun möglicherweise einen Rahmen auf Bundesebene, aber die größere Frage der Token-Klassifizierung bleibt ungeklärt. Genau hier setzt der CLARITY Act an.
Muehlbauer erklärt, dass das Gesetz darauf abzielt, das sogenannte „security-forever”-Dilemma zu lösen, indem es aktualisiert, wie US-Recht Token während ihres gesamten Lebenszyklus behandelt. Er erläutert:
„Das Gesetz trennt den Status als ‚Investment Contract‘, indem es ‚Ancillary Assets‘ einführt, also Token, deren Wert auf den unternehmerischen oder leitenden Bemühungen einer zentralen Gruppe basiert, allerdings nur während ihrer anfänglichen, zentralisierten Phase.”
Seiner Darstellung nach eröffnet der Gesetzesentwurf einen Weg dafür, dass Token diese Kategorie verlassen können, sobald ein Netzwerk nicht mehr stark auf ein zentrales Team angewiesen ist. Muehlbauer erklärt dazu:
„Um einen rechtlichen Ausstieg zu ermöglichen, führt das Gesetz einen ‚Reifeprüfung‘-Test ein, der es Token erlaubt, zu digitalen Rohstoffen zu werden, sobald das Netzwerk hinreichend dezentralisiert ist.”
Er erläutert, dass die Herausgeber bestätigen können, wenn die leitenden Bemühungen nur noch „nominell” sind. Dies öffnet ein 60-tägiges Zeitfenster, in dem die SEC diese Behauptung anfechten oder dem Vermögenswert erlauben kann, als nicht-wertpapierähnlich im Sekundärhandel zu gelten.
Falls dieser Rahmen Bestand hat, könnte dies die USA einer anwendbaren Definition für Utility Token näherbringen. Bis dahin haben Stablecoins zwar rechtliche Klarheit erhalten, während vieles im Rest des Krypto-Sektors weiterhin auf eine Lösung wartet.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der GENIUS Act den USA den bisher klarsten Rahmen für Stablecoins bietet. Gleichzeitig hat er eine neue Phase des Wettbewerbs eingeleitet. Die Debatte reicht nun über die Regulierung hinaus und stellt die Frage, wer die Kontrolle über die Emission, die wirtschaftlichen Effekte rund um digitale Dollar und den direkten Zugang zum Finanzsystem erhält.
Die Aussagen von Muehlbauer deuten darauf hin, dass Washington Stablecoins in eine formellere bundesweite Ordnung überführt hat, während die nächste große Auseinandersetzung um die Token-Klassifizierung und die Marktstruktur weiterhin offen ist.
Efimenko weist unterdessen auf die wirtschaftliche Realität hinter diesen gesetzlichen Fortschritten hin. Selbst mit neuen Lizenzmöglichkeiten und Spielraum für Produktinnovationen müssen krypto-native Unternehmen weiterhin gegen Banken konkurrieren, die bereits die Verteilung und den Zugang zu Kunden kontrollieren.
Lillo Aranda bringt diesen Punkt noch weiter auf den Punkt: Bundeslizenzen haben zwar den alten Schutzwall traditioneller Finanzinstitute verkleinert, aber sie haben den Vorteil der etablierten Banken in Bezug auf Größe, Vertrauen und Kundenbindung nicht beseitigt.
Stablecoins treten in eine klarere rechtliche Ära ein, doch das Gleichgewicht zwischen Krypto-Unternehmen, Banken, Regulatoren und Emittenten von Token wird weiterhin in Echtzeit ausgehandelt.
Bildquelle: ai-generated-gemini











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