Der Silber-Short Squeeze: Nur 14 Prozent der Futures sind gedeckt

Die Silberpreise steigen rasant, während nur 14 Prozent der Futures gedeckt sind. Eine hohe Nachfrage und leere Lagerbestände führen zu einem klassischen Short Squeeze, der den Markt unter Druck setzt.

Der Silber-Short Squeeze: Nur 14 Prozent der Futures sind gedeckt

Der Silbermarkt erlebt einen signifikanten Anstieg, da der Preis um 275 Prozent gestiegen ist und die 117-USD-Marke überschreitet. Dies geschieht inmitten einer abnehmenden Verfügbarkeit von Lagerbeständen.

Kommerzielle Händler haben netto 231 Millionen Unzen short, was mehr als doppelt so viel ist wie die 108 Millionen Unzen, die zur Auslieferung bereitstehen.

Die Futures rollen von März auf Januar zurück, was auf eine hohe Nachfrage nach sofortiger Lieferung hinweist und den Markt in eine anhaltende Backwardation führt.

Silberpreise und Lagerbestände

Am 29. Januar erreichten die Silber-Futures einen Preis von über 117 USD, was die historische Rallye mit einem Gewinn von 275 Prozent im letzten Jahr fortsetzt. Der Hauptgrund für diesen Anstieg ist die ausgeprägte Knappheit im physischen Angebot, da die Lagerbestände lediglich 14 Prozent der offenen Futures-Positionen abdecken.

Mehrere Faktoren tragen zu dieser Situation bei: leere Lager, erhebliche Short-Positionen der Händler und ungewöhnliche Rückrollungen von Kontrakten, was zu einem klassischen Short Squeeze führt. Steigende Inflation und Zinssorgen: Auswirkungen auf Silber und Bitcoin

Bestandsdruck und Short-Positionen

Der aktuelle CME-Lagerbericht vom 27. Januar zeigt, dass die Silberbestände in den COMEX-zugelassenen Lagerräumen auf 411,7 Millionen Unzen gesunken sind. Besonders relevant ist die registrierte Menge, die für Futures-Lieferungen zur Verfügung steht, und die fiel auf 107,7 Millionen Unzen.

Innerhalb eines einzigen Tages sanken die registrierten Bestände um 4,7 Millionen Unzen, da das Metall entweder aus den Lagerräumen entnommen oder als „eligible“ umgewandelt wurde. „Eligible“ Silber kann jedoch nicht für Futures-Lieferungen verwendet werden.

Aktuell gibt es 152.020 offene Kontrakte, was 760 Millionen Unzen entspricht. Die registrierten Bestände decken somit nur 14,2 Prozent der offenen Ansprüche ab. Sollte eine signifikante Anzahl von Futures-Inhabern eine physische Lieferung verlangen, könnte dies zu erheblichen Problemen an der Börse führen.

Marktdruck durch Short-Positionen

Daten aus dem CFTC Commitments of Traders Report vom 20. Januar verdeutlichen den Druck von der Short-Seite. Kommerzielle Händler, hauptsächlich Banken und Händler, halten 90.112 Kontrakte short und 43.723 long, was zu einer Netto-Short-Position von 46.389 Kontrakten oder etwa 231 Millionen Unzen führt.

Diese Netto-Short-Position übersteigt mehr als doppelt die 108 Millionen Unzen registriertes Silber, die zur Lieferung bereitstehen. Sollte eine größere Anzahl von Long-Positionen physische Auslieferung verlangen, müssten die Short-Seller zunehmend knapperes Metall beschaffen, was den Preis weiter anheizen könnte. Krypto-Märkte: 2,2 Milliarden USD-Optionen stehen zur Auslaufentscheidung

Backwardation und Marktstress

Der Silbermarkt befindet sich seit Anfang Oktober in Backwardation, was bedeutet, dass die Kassapreise über den Futures-Preisen liegen. Dies deutet darauf hin, dass die aktuelle Nachfrage nach Silber das verfügbare Angebot übersteigt, was in normalen Märkten selten zu beobachten ist.

Analysten berichten, dass Futures-Kontrakte nicht von März auf Februar, sondern direkt auf Januar zurückrollen, was darauf hinweist, dass viele Händler nicht bis zu späteren Lieferterminen warten möchten.

Im Januar wurden bereits 9.608 Kontrakte, also 48 Millionen Unzen, für physische Lieferung ausgegeben, was fast 45 Prozent der aktuellen registrierten Bestände entspricht.

Industrielle Nachfrage und Auswirkungen

Die Angebotsknappheit wird durch die anhaltende industrielle Nachfrage verstärkt. Silber macht mittlerweile 29 Prozent der Gesamtkosten für Solarmodule aus, im Vergleich zu 14 Prozent im letzten Jahr und nur 3,4 Prozent in 2023.

Heute ist Silber das teuerste Bauteil für Hersteller von Photovoltaik-Anlagen, teurer als Aluminium, Glas oder Silizium. Große chinesische Hersteller wie Trina Solar und Jinko Solar haben bereits angekündigt, dass sie 2025 und 2026 voraussichtlich Verluste erleiden werden.

In Reaktion darauf plant Longi Green Energy, ab dem zweiten Quartal 2026 Solarzellen mit Kupfer auf den Markt zu bringen. Experten weisen jedoch darauf hin, dass solche Umstellungen in der Regel mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Kurzfristig bleibt die Nachfrage nach physischem Silber jedoch sehr hoch.

Goldmarkt im Vergleich

Im Gegensatz dazu zeigt der Goldmarkt keine derartigen Spannungen. Die Goldbestände in den COMEX-Lagern belaufen sich auf 35,9 Millionen Unzen, davon sind 18,8 Millionen registriert. Bei 528.004 offenen Kontrakten (52,8 Millionen Unzen) sind somit 35,7 Prozent abgedeckt, was mehr als doppelt so viel ist wie bei Silber.

Gold-Futures befinden sich weiterhin im Contango, was bedeutet, dass der Preis für Futures höher ist als der Kassakurs. Die Lagerbewegungen bleiben gering.

Ausblick auf den Silbermarkt

Das strukturelle Defizit am Silbermarkt besteht laut dem Silver Institute mittlerweile im fünften Jahr. Die Lagerbestände werden daher zunehmend leerer. Die Leihzinsen und Aufschläge auf physisches Silber steigen weltweit, was weiterhin gute Chancen für weitere Kursgewinne bietet. Beobachte den Rückgang: Bitcoin-Coinbase-Premium auf Rekordtief

Es ist jedoch zu beachten, dass ein derart angespannter Markt auch schnell korrigieren kann, etwa wenn mehr Anleger Gewinne realisieren oder wenn die Börsen neue Limits einführen.

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