Emirates Global Aluminium (EGA), der größte Aluminiumhersteller im Nahen Osten, hat aufgrund der Zerstörung seiner Al-Taweelah-Schmelzanlage durch iranische Raketen am 28. März 2023 die Erklärung von höherer Gewalt ausgesprochen. Die Wiederherstellung der Anlage könnte bis zu zwölf Monate in Anspruch nehmen, was erhebliche Auswirkungen auf das weltweite Aluminiumangebot haben wird.
Die Aluminiumpreise an der London Metal Exchange (LME) sind bereits auf über 3.500 USD pro Tonne gestiegen, was nahe an einem Vierjahreshoch liegt. EGA hat einige seiner Lieferverträge ausgesetzt, nachdem die Angriffe auf die Hauptanlage in Al Taweelah verheerende Schäden verursacht haben.
Höhere Gewalt und ihre Bedeutung
Der Begriff höhere Gewalt beschreibt außergewöhnliche und unvorhersehbare Ereignisse, die außerhalb der Kontrolle einer Partei liegen und die Erfüllung eines Vertrages unmöglich machen. Unternehmen, die diesen Begriff in ihren Verträgen verwenden, informieren ihre Kunden darüber, dass sie aufgrund unvorhersehbarer Katastrophen nicht in der Lage sind, ihre vertraglichen Verpflichtungen zu erfüllen.
„Die Erklärung von höherer Gewalt für einige Verträge wurde in Dokumenten dargelegt, die vorliegen“, berichtete ein Medium. Die Al-Taweelah-Anlage, die sich in der Khalifa Economic Zone in Abu Dhabi befindet, gehört zu den größten Schmelzanlagen weltweit. Die Schäden durch die iranischen Angriffe sind so gravierend, dass die Reparaturarbeiten bis zu 12 Monate dauern könnten.
Folgen für die Aluminiumproduktion
Die Al-Taweelah-Anlage produzierte im Jahr 2025 etwa 1,6 Millionen Tonnen Gussmetall. Der Angriff wird als Vergeltungsmaßnahme für US-amerikanische und israelische Angriffe auf iranische Industrieanlagen gewertet. „Metall ist innerhalb der Schmelzkreisläufe verfestigt, wodurch erhebliche Schäden entstanden sind“, erklärte das Unternehmen.
Die Situation ist nicht isoliert. Aluminium Bahrain (Alba) stellte Anfang März drei Schmelzlinien ein, nachdem die Schließung der Straße von Hormus die Lieferungen unterbrochen hatte. Auch Alba war Ziel iranischer Angriffe. Zudem musste Qatars Qatalum im März den Betrieb einstellen, nachdem QatarEnergy die LNG-Produktion aufgrund von Angriffen auf die Energieinfrastruktur ausgesetzt hatte. Zusammen repräsentieren diese Produzenten am Golf etwa 9% der globalen Primäraluminium-Produktion.
Globale Auswirkungen der Aluminiumkrise
„Aluminium wird für alles genutzt, von Flugzeugen bis Lebensmittelverpackungen und Solarmodulen. Störungen wirken daher weit über den Metallmarkt hinaus. Dies ist nicht mehr nur eine Energiekrise, sondern auch eine industrielle Krise“, so ein Analyst.
Die Beratungsfirma Wood Mackenzie schätzt, dass der Konflikt im Nahen Osten die Aluminiumproduktion im Jahr 2026 um 3 bis 3,5 Millionen Tonnen reduzieren könnte, während der weltweite Markt im Vorjahr knapp 74 Millionen Tonnen produzierte. Goldman Sachs warnt, dass die Preise auf 3.600 USD pro Tonne steigen könnten, falls die regionalen Produktionsausfälle anhalten. Analysten von Kpler sehen das Risiko, dass die Preise bei weiterer Eskalation bis auf 4.000 USD steigen.
Wirtschaftliche Implikationen
Das West Point Modern War Institute bezeichnet Aluminium als ein grundlegendes Material für die Verteidigungs- und Industrieinfrastruktur. Die USA beziehen 22% ihrer Aluminium-Importe aus dem Nahen Osten. Die Lagerbestände an der LME sind seit Mai um etwa 60% gesunken, was kaum Puffer für weitere Schocks lässt.
Für die Gesamtwirtschaft, die bereits unter steigenden Ölpreisen, gestörten Schifffahrtswegen und den anhaltenden Krisen im Iran leidet, stellt der Aluminiumengpass eine zusätzliche Belastung dar. Die Verknappung wird die Kosten in Branchen wie Luft- und Raumfahrt sowie Automobilbau, die auf hochwertiges Aluminium aus der Golfregion angewiesen sind, weiter erhöhen.
Während die Verhandlungen andauern, richtet sich die Aufmerksamkeit darauf, ob die Waffenruhe Bestand hat und die Straße von Hormus wieder vollständig geöffnet wird. Dies wird entscheidend dafür sein, wie groß das Aluminiumdefizit wird und wie stark die Preise in den kommenden Monaten ansteigen könnten.
Bildquelle: ai-generated-gemini











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